Technische Einordnung
Passkeys basieren auf FIDO2 und bieten eine phishing-resistente Authentifizierung mittels öffentlicher Kryptografie. Private Schlüssel verbleiben auf dem Gerät, öffentliche Schlüssel werden in Entra ID gespeichert. Damit ersetzen Passkeys klassische MFA-Methoden wie SMS oder Voice und erfüllen zugleich MFA-Anforderungen in einem Schritt learn.microsoft.com.
Microsoft plant, Passkey-Support für B2B-Nutzer und interne Gäste bis Ende des Kalenderjahres 2026 bereitzustellen. Die native SMS- und Voice-MFA wird ab Februar 2027 für diese Nutzergruppen eingestellt, externe Nutzer folgen im Juli 2027 learn.microsoft.com.
Typisches Praxisszenario
Ein mittelständisches Unternehmen lädt externe Partner als B2B-Gäste in Entra ID ein. Diese Gäste können sich künftig mit Passkeys anmelden – entweder passwortlos oder als MFA‑Alternative – und profitieren von phishing-resistenter Authentifizierung learn.microsoft.com.
Interne Gastnutzer, etwa Mitarbeitende aus Tochtergesellschaften, die bislang SMS-MFA nutzten, müssen bis Februar 2027 auf ein phishing-resistentes Verfahren wechseln – Passkeys, Windows Hello oder FIDO2. Unternehmen müssen daher frühzeitig Passkey-Profile konfigurieren und Nutzer vorbereiten learn.microsoft.com.
Technische Umsetzungsschritte
- Identifizieren Sie B2B- und interne Gastnutzer, die aktuell SMS oder Voice als MFA verwenden.
- Aktivieren Sie im Entra Admin Center unter Sicherheit → Authentifizierungsmethoden die Passkey‑Profile und übertragen Sie globale Einstellungen in ein Default‑Profil learn.microsoft.com.
- Erstellen Sie gezielte Passkey‑Profile: Legen Sie fest, ob gerätegebundene oder synchronisierte Passkeys erlaubt sind, und definieren Sie ggf. Attestations- und Schlüsselrestriktionen learn.microsoft.com.
- Weisen Sie die Profile den entsprechenden Benutzergruppen zu – etwa B2B‑Gäste oder interne Gäste.
- Starten Sie eine Registrierungs‑Kampagne, um Nutzer beim nächsten MFA‑Login zur Passkey‑Registrierung zu bewegen; ab September 2026 erfolgt dies automatisch für SMS/Voice‑Nutzer learn.microsoft.com.
- Kommunizieren Sie frühzeitig mit den Nutzern über die Umstellung und bieten Sie Hilfestellung bei der Einrichtung.
- Testen Sie die Anmeldung mit Passkeys auf verschiedenen Plattformen und Browsern, um Kompatibilitätsprobleme zu erkennen learn.microsoft.com.
Was im Microsoft-365-Tenant geprüft werden sollte
- Sind B2B- und interne Gastnutzer identifiziert, die SMS oder Voice als MFA nutzen?
- Wurde die Passkey‑Profile-Funktion im Entra Admin Center aktiviert?
- Sind Passkey‑Profile mit passenden Einstellungen (Typ, Attestation, Restriktionen) angelegt und zugewiesen?
- Läuft eine Registrierungs‑Kampagne oder ist eine automatische Aktivierung ab September 2026 geplant?
- Ist die Nutzerkommunikation zur Umstellung vorbereitet?
- Wurde die Anmeldung mit Passkeys auf relevanten Plattformen getestet?
Typische Fehler und Anti-Patterns
- Kein phishing-resistentes Verfahren rechtzeitig bereitstellen – führt ab Februar 2027 zu Anmeldeunterbrechungen bei internen Gästen, sofern auch kein eigener Telefonie-Anbieter konfiguriert ist.
- Nur gerätegebundene Passkeys erlauben, ohne synchronisierte Option – erschwert Wiederherstellung und Nutzung über Geräte hinweg.
- Attestation zu streng setzen (Enforce attestation = Yes) ohne Notwendigkeit – kann Registrierungsprobleme verursachen.
- Keine Nutzerkommunikation – führt zu Verwirrung und Supportanfragen.
- Kompatibilität nicht geprüft – z. B. iOS, Android oder bestimmte Browser nicht unterstützt.
- Keine Ausweichlösung bei fehlgeschlagener Registrierung – Nutzer bleiben ausgesperrt.
Praxis-Checkliste für Entscheider
- Prüfen Sie, welche Nutzergruppen SMS/Voice nutzen und ab wann Passkeys erforderlich sind.
- Entscheiden Sie, ob synchronisierte Passkeys (höhere Nutzerfreundlichkeit) oder gerätegebundene Passkeys (höhere Kontrolle) sinnvoll sind.
- Legen Sie fest, ob Attestation erforderlich ist – z. B. für regulierte Bereiche.
- Planen Sie die Rollout‑Phase: Pilotgruppe, Kommunikation, Schulung.
- Stellen Sie sicher, dass technische Voraussetzungen (Browser, Geräte) erfüllt sind.
- Bereiten Sie Support‑Prozesse für Nutzer vor, die Probleme bei der Registrierung haben.
- Überwachen Sie den Fortschritt und passen Sie Profile oder Kampagne bei Bedarf an.
Rollen und Verantwortlichkeiten
Die IT-Leitung entscheidet über Strategie und Priorisierung: Welche Nutzergruppen zuerst, welche Passkey‑Typen, ob Attestation erforderlich ist.
Administratoren konfigurieren Passkey‑Profile, starten Registrierungs‑Kampagnen, testen Plattformkompatibilität und unterstützen Nutzer bei der Einrichtung.
Business-Nutzen
Passkeys bieten eine deutlich höhere Sicherheit gegenüber SMS‑MFA, da sie phishing‑resistent sind und keine gemeinsamen Geheimnisse übertragen werden. Das reduziert Risiken bei externer Zusammenarbeit.
Synchronisierte Passkeys verbessern die Nutzerfreundlichkeit: Externe Partner können sich über verschiedene Geräte anmelden, was die Akzeptanz erhöht und Supportaufwand senkt.
Betriebsmodell nach der Einführung
Nach Einführung sollten Passkey‑Profile regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden – etwa bei neuen Geräteplattformen oder geänderten Sicherheitsanforderungen.
Supportprozesse müssen Passkey‑Registrierung, -Wiederherstellung und -Problemlösung abdecken. Monitoring zeigt, ob Nutzer erfolgreich registrieren und sich anmelden.
Messbare Signale für Fortschritt
Anteil der B2B- und internen Gastnutzer, die bereits Passkeys registriert haben – Ziel: möglichst hoher Anteil vor Februar 2027.
Anzahl der Supportfälle im Zusammenhang mit Passkey‑Registrierung oder Anmeldung – sollte mit zunehmender Routine sinken.
Priorisierung: Was zuerst?
Zuerst interne Gastnutzer, da deren SMS/Voice‑MFA ab Februar 2027 eingestellt wird.
Dann B2B‑Gäste, um externe Zusammenarbeit sicher und reibungslos zu gestalten.
Parallel: Pilotgruppe definieren, Kommunikation vorbereiten, technische Tests durchführen.
Einordnung durch Azuric
Im Azuric‑Assessment prüfen wir, ob Passkey‑Profile aktiviert und sinnvoll konfiguriert sind – inklusive Typ, Attestation und Zielgruppen.
Wir bewerten die Rollout‑Vorbereitung: Gibt es eine Registrierungs‑Kampagne, Nutzerkommunikation und technische Tests? Sind Supportprozesse etabliert?
Quellen
Dieser Beitrag ist eine eigene Azuric-Einordnung. Die folgenden Quellen wurden zur fachlichen Grundlage herangezogen.

